Monatsgedanken JUNI 2022 «Die Hoffnung stirbt zuletzt»

Hoffnung Juni 2022 (Foto: M. Hundius)
Diese Redensart tönt heute fast etwas sarkastisch in meinen Ohren. Krieg, Krankheit, Klimakrise. Diese drei «Katastrophen-K’s» beherrschen momentan unsere Welt. Mir scheint, als wären wir in eine Abwärtsspirale geraten, aus der wir den Ausweg nicht mehr finden. Ein Alptraum, aus dem es nur ein böses Erwachen gibt. Hilflosigkeit, Sprachlosigkeit, Ohnmacht bzw. Aktionismus, Aufregung, ja Hysterie wirken in und um uns statt der Hoffnung.
Was habe ich als Christin diesen Tatsachen und Gefühlen entgegenzusetzen?

Der Mensch, das Klima, Beziehungen waren immer schon sehr fragile. Vielleicht ist das in den vergangenen goldenen Jahren etwas in Vergessenheit geraten, ausser man wurde in seinem persönlichen Umfeld mit der Fragilität des Lebens konfrontiert. Wie zerbrechlich das Leben tatsächlich ist, wird uns mit den drei «Katastrophen-K’s» überdeutlich bewusst. Die Geschichten der Bibel erzählen in allen Facetten von dieser Fragilität. Jesus wurde in unsere fragile Welt geboren und er zerbrach am Kreuz an ihr. Und doch sprechen wir 2000 Jahre später mit den Worten von Psalmbeterinnen und dem Apostel Paulus immer noch das Wort «Hoffnung» aus.

Bei Gott allein werde ruhig meine Seele, denn von ihr kommt meine Hoffnung.
Psalm 62,6

Freut euch in der Hoffnung, seid geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet.
Römerbrief 12,12

Wie kommen die Psalmbeterin oder der Apostel Paulus dazu, solche Worte auszusprechen? Wie komme ich als heutige Christin dazu, in diesen Worten Halt zu finden?

Es ist die gelebte Beziehung zu Gott und zu Jesus Christus, die Menschen einstimmen lässt in den Chor der Hoffenden. Wir alle sind eingeladen, unsere Beziehung zu Gott, der Schöpferin von Himmel und Erde, zu pflegen. Denn auch diese Beziehung ist äusserst fragile. Katastrophen nähren die Zweifel, ob es Gott überhaupt gibt. Oft ist es einfacher, die Beziehung zu beenden und gottlos zu werden. Das hat der englische Autor J. Barnes so ausgedrückt: «Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn.» Verrückt, nicht wahr? Diese Sehnsucht bewegt viele Menschen. Wieso also nicht wieder die Beziehung zu Gott aufnehmen?

Gott ist eine verlässliche Quelle der Kraft und der Hoffnung. Viele Glaubende vor, mit und nach mir vertrauen auf diese unversiegbare Quelle voller Kraft, so dass Menschen mit den grossen und kleinen Katastrophen - auch mit den drei «Katastrophen-K’s» - im Leben besser zurecht kommen.

«Die Hoffnung stirbt nicht.» – so möchte ich die Redewendung umdeuten. Jesus Christus ist unser Hoffnungszeichen, das uns durch die Katastrophen unseres Lebens trägt. Dank ihm können wir zu Hoffnungszeichen in dieser Welt werden, damit die Hoffnung auf eine bessere Welt nie stirbt.

So segne und behüte euch Gott, Quelle der Hoffnung und Freude. Pfarrerin Marianne Hundius

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