Monatsgedanken Juni – «Gesellig unterwegs»

Leer sind in den vergangenen Monaten die Kirchenbänke geblieben,
Marianne Hundius
Im Juni gesellig unterwegs

Leer sind in den vergangenen Monaten die Kirchenbänke geblieben, ein Anlass nach dem anderen musste abgesagt werden. Dies hinterlässt in mir als Organisatorin eine innere Leere. Die lustvolle Geselligkeit ist auf der Strecke geblieben. In verschiedenen Zeitungsberichten lese ich, welche Auswirkungen die Pandemiezeit auf uns Menschen hat: sie ermüdet und verunsichert und lässt die Menschen lust- und antriebslos zurück. Leer sind nicht nur die Kirchenbänke geworden, sondern etwas in den Menschen ebenso, und das nicht nur bei jungen Menschen, sondern bei Menschen aller Altersschichten.

Am Sonntag nach dem Pfingstfest feiern wir Trinitatis. Es ist das Fest von Gottes Dreieinigkeit. Wir Christen glauben, dass Gott mehr sein muss als eine Person. Deshalb sagen wir, dass Gott wie Vater und Mutter für uns Menschen ist. Wir bekennen zugleich, dass Gott sich in Jesus Christus als verletzlicher Mensch zeigte. Und wir bezeugen drittens Gott als Heilige und Heilende Kraft, die tröstet, begeistert, vereint, versöhnt und Gemeinschaft bildet. Doch diese umfassende dreifache Beschreibung Gottes kann Gott immer noch nicht erfassen. Theologen und Theologinnen unserer Zeit haben deshalb die Dreieinigkeit Gottes erweitert und neu als Beziehungsgeschehen beschrieben. Kurt Marti, der Berner Theologe, hat den Begriff der geselligen Gottheit geprägt. Gott kann kein Mann mit Bart sein, der selbstvergessen und selbstvergnügt sich selbst genügt. Gott wird erst in gelebten Beziehungen für uns Menschen erfahrbar. Christinnen und Christen sind aufgerufen, an dieses vorgegebene Beziehungsnetz anzuknüpfen.

Nach den neusten Öffnungsschritten des Bundesrates können wir uns nun freier bewegen. Taufen, Hochzeiten, Familienfeste werden wieder möglich. Nun heisst es, die fallengelassenen Beziehungsfäden achtsam wieder in die Hand zu nehmen, sorgsam die Geselligkeit zu pflegen und das neue Zusammenkommen zu feiern. Sicher, jeder und jede kann sich selbst genügen. Sicher, am Beziehungsnetz zu Gott können wir in der Natur und in der Familie anknüpfen. Doch wir Christinnen und Christen sind zusätzlich einem grösseren Beziehungsnetz verpflichtet. Jeder einzelne und jede einzelne ist aufgerufen, ihren persönlichen Faden zur christlichen Gemeinschaft zu entdecken, die gesellige Christenheit unseres Dreieinigen Gottes zu leben und zu feiern. So entsteht eine Kraft, die Generationen, Männer, Frauen, Kinder und Menschen unterschiedlicher Herkunft ins grosse Beziehungsnetz Gottes einbindet, so dass wir zu einer geselligen Gemeinschaft zusammenwachsen.

«Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.« 2. Korinther 13,13
Mit diesem Segenswunsch grüsst der Apostel Paulus seine Gemeinde in Korinth. Und dieser Gruss gilt bis heute euch allen.

Gedanken im Juni 2021
von Pfarrerin Marianne Hundius
Bereitgestellt: 01.06.2021     Besuche: 109 Monat
 
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