Monatsgedanken November 2020

Bild_von_Pixabay (Foto: Heinz Pfarrer)

Den Engeln und Fröschen beim Lobe Gottes helfen
Feuchtkaltes Wetter und Nebel. Der Kanton Bern gab seine Massnahmen gegen das Coronavirus bekannt, meine Laune rutschte in den Keller und das Wetter machte nicht den Anschein, dagegen etwas unternehmen zu können. Dass es wieder so weit kommen konnte! Es wurde Abend, es wurde Morgen und gegen Mittag schaffte es ein Sonnenstrahl tatsächlich, die Nebeldecke zu durchbrechen. Auch ich hatte mich wieder gefangen, was meine Familie einigermassen erleichtert zur Kenntnis nahm. Es war nicht nur das Virus, es war nicht nur das Wetter. Es war das ganze Paket. Dabei geht es mir persönlich ganz gut. Die üblichen Alltagssorgen einer berufstätigen Mutter halt. Aber sonst nichts zu klagen. Es sind die Nachrichten, die mich fertigmachen. Dieser egoistische, rücksichtslose Wahnsinn, der einem da tagtäglich entgegenkommt. Was ist los mit dieser meiner geliebten Welt?

Gleichzeitig tritt in diesen Tagen stärker zu Tage, was Kraft gibt. Bei mir ist es die Freundschaft, die nährt, das Lachen meiner Kinder, das gute Essen meiner Mutter, der Humor meines Mannes. Und immer wieder die Friedensbilder der Bibel. Sie sind mir wie Proviant auf einer anstrengenden Wanderung. Da werden Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet, Hungernde werden satt, Trauernde getröstet. Eine Stimme spricht: «Ich bin da». Das ist Balsam für meine Seele. Und ich merke: Gottvertrauen ist nicht in der Sicherheit zuhause, sondern in der Hoffnung. Und die lebt im Dazwischen, dort, wo etwas nicht ist, aber sein könnte. Das auszuhalten ist nicht immer einfach. Aber so ist es nun einmal.


Dorothee Sölles «Zeitansage I» und «Zeitansage II» fassen diesen Zwiespalt in ihrer unverwechselbaren Sprache in Worte:


ZEITANSAGE I

Noch trägt unser Baum keine Früchte
Noch schieben wir Heimatlose ab
Arbeiterinnen lassen wir nicht arbeiten
Noch liefern wir den Folterern
was immer sie brauchen können
und schnüren den Ärmsten die Kehle zu
dass auch ihr Schrei uns nicht stört

Noch wartet Gott vergeblich
noch liegt unsere Zeit in den Händen
der Mächtigen
sie leiten Gift in die Flüsse
Amüsantes in unseren Bildschirm
Schwermetalle in unser Essen
und Angst in unser Herz

Noch schreien wir nicht laut genug
Wie lange noch, Gott?
Wie lange willst du dir das noch ansehn
ohne ihn umzuhauen deinen Feigenbaum
Noch haben wir nicht gelernt umzukehren
Noch weinen wir selten.

Noch.

ZEITANSAGE II

Es kommt eine Zeit
da wird man den Sommer Gottes
kommen sehen
Die Waffenhändler machen bankrott
die Autos füllen die Schrotthalden
Und wir pflanzen jede einen Baum

Es kommt eine Zeit
da haben alle genug zu tun
und bauen die Gärten chemiefrei wieder auf
in den Arbeitsämtern wirst du
ältere Leute summen und pfeifen hören

Es kommt eine Zeit
Da werden wir viel zu lachen haben
und Gott wenig zum Weinen
die Engel spielen Klarinette
und die Frösche quaken die halbe Nacht

Und weil wir nicht wissen
wann sie beginnt
helfen wir jetzt schon
allen Engeln und Fröschen
beim Lobe Gottes.


Schön, sind wir miteinander in diesem «Dazwischen» unterwegs! Gemeinsam singt und quakt es sich einfach besser, auch im Nebel...

Ihre Lilian Fankhauser

Bereitgestellt: 01.11.2020    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch